Schweigeretreat mit Andrew Cohen
Posted on Jan 10th, 2007
by
Tom
Vor Weihnachten habe ich gemeinsam mit anderen Schülern von Andrew Cohen in Foxhollow einen 10-tägigen Schweigeretreat gemacht. Den ganzen Tag nichts als meditieren und andere Formen die spirituellen Praxis, wie gemeinsames Chanten.
Ich meditiere eigentlich täglich zwei Stunden, aber 10 Tage die Welt ganz hinter sich zu lassen und sich nur auf den Raum der Meditation einzulassen ist noch etwas ganze anderes. Die Tiefe des Seins breitet sich in einem aus wie es im Alltag kaum möglich ist, und dann ist da natürlich auch noch Andrew, mit dem wir uns während dieser Tage einige male getroffen haben. Denn Andrew gibt Meditation eine ganz bestimmte Ausrichtung. In seinem Kontext ist Meditation nicht das Schwelgen in tiefen Erfahrungen, nicht einmal in der Erfahrung des Urgrunds selbst. Immer wieder betonte er zwei Elemente die für die Meditation wichtig sind - die Erfahrung dessen was jenseits des Minds ist und – und das ist die Hauptsache, die Erfahrung, dass ich frei vom Mind (meinen Gedanken und Gefühlen) sein kann, egal wie sehr diese durch meinen Kopf und meinen Körper stürmen.
Genau das war für mich auch die Erfahrung dieser 10 Tage. Einerseits waren da tiefe kosmisch-meditative Zustände, andererseits schlug mein Mind Kapriolen als säße ich mitten in einem 3-D Kino. Wenn der Mind keine Objekte in der Außenwelt hat an denen er sich festmachen kann, so scheint mir, läuft er entweder Amok oder gibt auf und lässt es (zumindest für einige Zeit) sein sich über alles zu ergießen.
Was dem ganzen dann noch eine zusätzliche unbekannte Komponente gibt, ist, dass es vollkommen unvorhersagbar ist, was der Mind als nächstes macht. Ich kann die tiefste, stillste und leerste Meditation haben, die ich je gehabt habe, dann setze ich mich nach einen kurzen Pause wieder auf mein Kissen und der Strom der Gedanken läuft zu einem Tornado auf, dass man denkt man muss sich mit beiden Armen am Kissen festhalten.
Aber, und das ist für mich wirklich das wichtigste, das ich von diesen 10 Tagen mitnehme, egal was ist, ich kann frei davon sein. Andrew betont immer dass Meditation ein Übungsraum ist, in dem ich buchstäblich die Freiheit von meinen Gedanken und Gefühlen trainieren kann. Andrew (frei zitiert): „Wenn du am Kissen davon nicht frei sein kannst, dann bist du, wenn du mitten im Leben stehst, wenn du reden, handeln und reagieren musst mit größter Wahrscheinlichkeit auch ein Sklave deines Minds.“
So waren die wichtigsten Erfahrungen dieser 10 Tage für mich nicht allein die tiefen meditativen Erfahrungen selbst, sondern auch die Erfahrung, dass, wenn es wirklich rund geht in meinem Geist (egal ob Seligkeit oder Schrecken oder nur die Raserei meiner Gedanken) ich ruhig bleiben kann. All das geht ab in mir, aber ich bleibe ruhig und identifiziere mich mit nichts davon. Diese Siege über den konditionierten Mind kreieren eine solche seelische Stärke. Spirituelle Freiheit bekommt hier einen ganz anderen, neuen Klang. Spirituelle Freiheit ist dann nicht die Abwesenheit von Gedanken und Gefühlen sondern meine Unabhängigkeit von ihnen. Zu wissen, dass man das kann, gibt einem eine solche Stärke und Zuversicht.
So gesehen waren diese 10 Tage vor allem eines – ein Trainingscamp in Seelenstärke.

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