Meditation über einen Telefonanruf
Unsere zweite Telefonkonferenz bestach noch mehr als die erste durch die Kraft eines Bewusstseinsfelds, das für jede Teilnehmer an dieser Konferenzschaltung direkt offensichtlich war.
Was geschieht an diesen Telefonaten? Eigentlich ist das eine sehr merkewürdige Angelegenheit. Eine Gruppe von Menschen triftt sich, verbunden durch die Technik der Telekommunikation in einem virtuellen, akustischen Raum, der in seiner Spannweite das ganze deutsche Bundesgebiet mit Teilen der Schweiz umfasst und redet darüber was es bedarf als Menschen jenseits des Egos zusammenzukommen. Doch was (zumindest bei mir) einen so tiefen Eindruck hinterlässt ist nicht die Klugheit der einzelnen Beiträge, nicht irgendwelche gebildeten Sprecher, das ist alles unwichtig, nebensächlich, manchmal sogar abträglich.
Was mich berührt, inspiriert, ja begeistert ist eine erkennbare gemeinsame geteilte Absicht die in all diesen Stimmen, in all diesem Beiträgen hörbar ist, eine gemeinsame Absicht sich in etwas zu treffen das, tiefer und wesentlicher ist als unsere kleinen, um einen persönlich kreisenden Alltagswelten. Diese „gelebte Absicht“ ist es, die das Bewussseinsfeld zwischen uns verwandelt. Was hier entsteht sind auch keine abstrakten Ideen, es ist eine Intimität, die eine eigenartige Größe und Tiefe besitzt. Intim aber nicht persönlich, gross aber nicht abstrakt.
Einerseits lässt sich schon beschreiben worüber wir an diesen Konferenzen reden. Wir reden davon was es bedeutet das eigene Ego außen vor zu lassen, was es bedeutet, sich im Bewustsein zu treffen dass man gemeinsam bewusst ist. Wir reden von dem Potential sich in diesem Bewusstseinfeld zu begegnen, darin zu leben und zu arbeiten. Dieses Feld hat ja eine eigen Agenda: Es will bewusster werden.
Aber im Zentrum von all dem steht etwas Nicht-Wissbares, etwas dass man mit Sprache zwar anrühren aber nicht definieren kann. Das macht diese ganze eigentümliche Spannung aus, man kann es nicht definieren aber es ist jedem offensichtlich.
Dieses Bewussseinsfeld, ist immer neu und frisch und gleichzeitig intim und vertraut. Es entsteht genauso aus dem aufmerksamen Zuhören wie aus einem Sprechen das sich ganz neu aus diesem Zuhören formt. Und es ist mehr als würde man einem sich formenden Feld zuhören, das der verschieden Stimmen bedarf als den verschiedenen Und- dieses Feld hat eine Richtung. Es will nicht einfach sein, es will werden, sich seiner selbst bewusster werden. Es verlangt nach dem was noch nicht ist, nach dem Bewusstsein, das zwischen uns möglich ist.
Ich bin einfach überzeugt – etwas wirklich Bedeutungsvolles entsteht in diesen simplen Telefonkonferenzen. Auf diese Arte und Weise zusammenzukommen hat ein riesige Potential. Als würde die Schwerkraft sich sich umkehren findet man sich in einem Feld aus Interesse und einem gemeinsamen Bewusster Werden Wollen, das wichtiger wird als all die getrennten Egos die ihren eigenen kleinen Interessen nachlaufen. Auf einmal zeigt sich in der gemeinsamen Anschauung, dass man im Bewusstsein selbst zusammenkommen kann, dass wir im Tiefsten dieses ungetrennte Bewusssein sind, und das auf einer simplen Telefonkonferenz.

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Hallo Tom,
dieses intersubjektive Feld ist wie ein Spiegel des Lebens: Weder hier noch da gibt es Anfänger- oder Fortgeschrittenenkurse. Das Leben begegnet uns in einer verwirrenden und zugleich ergreifenden Fülle. In diesem Prozess kann jeder das richtige Tempo und die ihm entsprechende Balance zwischen Über- und Unterforderung finden. Entwickelt man ein Gefühl für das, was in jedem Moment möglich ist, nährt man das intersubjektive Feld, das dadurch mehr Tragkraft bekommt.
In diesem Prozess geht es ganz offensichtlich nicht darum etwas hinzuzufügen, was jemandem vermeintlich fehlt, sondern vielmehr darum das aufzulösen und zu transformieren, was jemandem von seinem Wesenskern, dem authentischen Selbst, trennt.
Offenheit für unkonventionelles und Mut sich selbst zu hinterfragen. Neugierde auf die Entwicklungsfähigkeit des menschlichen Bewusstseins und Vertrauen in unsere Kreativität. Jeder der sein Leben als Möglichkeit zum Lernen und Weiterentwickeln wahrnimmt, ist ein Pulsgeber für die Evolution unseres Planeten.
Insofern sehe ich diese Telefonkonferenzen wie die Probe für einen gemeinsamen Tanz, dessen genaue Choreographie noch nicht festteht.
Liebe Grüße,
Bernd